Die Rattenfänger-Sage: Was 1284 in Hameln geschah
Kaum eine deutsche Sage ist so bekannt wie die vom Rattenfänger von Hameln. Und kaum eine ist so rätselhaft. Denn hinter dem Märchen steckt ein Datum, eine Zahl und eine Stadt, die das Ereignis seit über 700 Jahren nicht vergessen hat.
Der 26. Juni 1284
Nach der Hamelner Überlieferung verließen am Tag Johannes und Paulus, dem 26. Juni 1284, 130 Kinder die Stadt. Sie folgten einem Pfeifer in bunter Kleidung – im Englischen heißt er deshalb „the Pied Piper“, der Bunte Pfeifer. Durch das Ostertor zogen sie hinaus, und sie kehrten nicht zurück. So erzählt es die Inschrift am Rattenfängerhaus in der Hamelner Osterstraße, und so erzählen es die Chroniken der Stadt.
Erst die Kinder, dann die Ratten
Die frühesten Zeugnisse sprechen nur von den Kindern. Ein Glasfenster in der Hamelner Marktkirche, entstanden um 1300 und im 17. Jahrhundert zerstört, zeigte nach alten Beschreibungen den Pfeifer und die Kinder. Eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert berichtet ebenfalls vom Auszug. Die Ratten, die der Pfeifer zuerst aus der Stadt lockt und für die man ihn nicht bezahlt, tauchen erst im 16. Jahrhundert auf. Die bekannte Geschichte von Lohn und Rache ist also eine spätere Erklärung für ein Ereignis, das die Menschen offenbar nicht losließ.
Die Straße ohne Musik
In Hameln gibt es bis heute die Bungelosenstraße, die „Straße ohne Trommeln“. Durch sie sollen die Kinder zuletzt gegangen sein. Dort wird nicht musiziert und nicht getanzt – selbst Hochzeitszüge verstummen. Wenige Städte gehen mit einer Sage so ernst um.
Was wirklich passiert sein könnte
Die Forschung streitet seit Jahrhunderten. Die bekanntesten Erklärungen:
- Auswanderung: Im 13. Jahrhundert zogen viele junge Menschen aus Niedersachsen nach Osten, um dort neue Dörfer zu gründen. Die „Kinder“ wären dann die jungen Leute der Stadt, der Pfeifer ein Werber, der Siedler anwarb. Ortsnamen im Osten, die an Namen aus dem Weserbergland erinnern, stützen diese Idee.
- Unglück oder Krankheit: Eine Seuche, ein Unfall oder eine Naturkatastrophe hätten eine ganze Generation treffen können.
- Kinderkreuzzug oder Tanzwut: Aus dem Mittelalter sind Züge junger Menschen und rätselhafte Tanzwellen überliefert.
- Eine verlorene Schlacht: Manche verbinden die Sage mit einer Fehde, in der junge Männer der Stadt gefallen sein könnten.
Keine Erklärung ist bewiesen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum die Geschichte nicht aufhört.
Die Sage von oben
Wer die Altstadt, das Ostertor und die Höhenzüge rund um Hameln aus der Luft sieht, versteht die Sage anders. Man sieht, wohin ein Weg aus dem Tor geführt haben muss und wie schnell die Stadt hinter den Bergen verschwindet. Genau das zeigen wir beim Mystical Flight: 60 Minuten ab Flugplatz Hameln-Pyrmont, mit der Geschichte über Bordfunk. Den Berg, an dem die Sage endet, nennen wir erst an Bord.
Zum Mystical Flight Rundflug Hameln
Über den Autor: Timo Drollinger fliegt Ultraleicht seit 2013 – mit mehr als 750 Starts, 450 Flugstunden und über 240 Starts am Hannover Airport. Erlebnisflüge hat er deutschlandweit für Jochen Schweizer Erlebnisse geflogen. Heute fliegt er Gäste ab Hameln-Pyrmont und Hannover Airport.